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Kapitel 21 / Tränen des Mondes

Sie erwachte in einer kleinen Lehmhütte, die schwarzen verbrannten Wände rochen nach längst vergessenem Qualm. Wo war sie? Was war passiert? Warum war sie hier? Und wo war Kian? Mit einem Satz schoss sie nach oben und stieß sich den Kopf an der niedrigen Decke, laut vernehmlich schnaubte sie und rieb sich die schnell wachsende, schmerzende Beule an der Stirn. Langsam konnte sie Schemen in dem Raum wahrnehmen und sie war nicht an die Decke des Hauses gestoßen, sondern gegen die Kante des Bettes über ihr. Sie lag in der unteren Hälfte eines Doppelstockbettes und war alleine. Niemand war mit ihr in dem Raum. Diesmal deutlich vorsichtiger richtete sie sich auf und schwang die Füße aus dem Bett. Ihre Füße waren nackt und schmutzig und berührten den kalten Steinboden. Fröstelnd sah sie sich um und entdeckte ihre Stiefel schließlich neben der Tür, die nur angelehnt war wie sie nun sah. Schnell schlüpfte sie in die Schuhe und schob die Tür leicht auf, draußen flackerten zwei Fackeln ...

Kapitel 20 / Tränen des Mondes

Die kalten Augen waren grauenhaft aufgerissen, das rechte Ohr fehlte und eine Menge Blut glänzte noch feucht auf dem nackten Oberkörper. »Na Freunde«, selbst die Stimme klang verzerrt und rau. »S-Seth«, stammelte Leandriis mit entsetztem Blick in den moosgrünen Augen und taumelte zwei kleine Schritte zurück, bevor sie gegen eine feuchtkalte Steinwand stieß. »Was ist mit Claire geschehen?« Mutig, obwohl ihm das Herz bis zu den Ohren klopfte, trat Kian vor und stellte sich damit auch zwischen den blutenden, rachsüchtigen Mann und Leandriis. »Sie hat ihre verdiente Strafe bekommen! Ich hätte sie niemals verschonen dürfen, von Anfang an nicht, aber ich war blind. Blind und so dumm zu glauben, dass sie anders wäre als ihre Vorfahren, doch das war ein Irrtum. Ein dreckiges Wolfsblut bleibt eben immer einer von euch.« Aus Seth sprach tiefster, irrationaler Hass. Er glich kaum noch einem Menschen, seine Augen waren eisige Höhlen und sein Gesicht war fratzenhaft verzogen. Leandriis ...

Kapitel 19 / Tränen des Mondes

Sie wanderten mittlerweile seit Tagen und die fruchtbaren Felder hatten sich in braches Land verwandelt. Starr und anklagend wiesen trockene Baumgerippe in den Horizont. Schwarze, abgebrannte Ruinen säumten ihren Weg. Es war still, so unnatürlich still, dass es Leandriis und Kian in den Ohren wehtat. Nur selten kreuzte ein Lebewesen ihren Weg und noch seltener trafen sie auf Menschen, die in den Ruinen hausten. Auch die nächste Stadt, die die beiden erreichten, war verlassen. Gespenstisch pfiff der Wind durch das zerbrochene Gestein und ließ laut krachend hölzerne Fensterläden an die Mauern stoßen. Fröstelnd und immer wieder zusammen zuckend zog Leandriis ihren verschlissenen Mantel enger um sich, den sie in einer der abgebrannten Ruinen gefunden hatte. Sie wusste nicht warum, aber sie verspürte Angst. Tief sitzende, animalische Angst. Plötzlich blitzten Bilder vor ihren Augen auf und wimmernd fiel sie auf die Knie. »Lea«, schrie Kian, aber der schrille Schrei drang gar nicht meh...