Wintermädchen / Farbschatten der Erinnerung
Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sanft wehte ihr der Wind eine lange Strähne ihrer braunen Haare ins Gesicht. Die Tränen auf ihrer Haut vermischten sich mit den Regentropfen, die wie Trümmerstücke eines Traumes aus dem Himmel fielen. Es war ihr egal, es war ihr alles egal. Kein Schrei entwich mehr ihrer Kehle. Sie fühlte sich zerrissen, zerstückelt, getreten und am Boden. Sie war gefallen und nicht wieder aufgestanden. Sie fiel noch immer, immer tiefer in den schwarzen, schmerzerfüllten Abgrund ihrer Seele. Es gab kein Entkommen, kein Entkommen vor dem Schmerz. Immer tiefer ging der Schmerz. Zerfetzte ihre Seele. Zerriss ihren Verstand. Nie hatte sie solche Pein verspürt. Hatte sich noch nie so zerrissen, so unvollständig gefühlt wie jetzt. Sie fühlte sich bei lebendiger Haut gehäutet und ihr Innerstes nach außen gekehrt. All der Schmerz in ihrem Inneren wurde nach außen gezerrt und fraß sich durch sie hindurch. Doch noch schlimmer als der Schmerz war die Leere in ihr. Die Leere...